# Ist bei Mathe-Lehrbüchern die Wahrscheinlichkeit höher, dass die LaTeX-Übersetzung der enthaltenen Formeln eher in der EPUB-Ausgabe oder in der PDF-Ausgabe enthalten sind, größer?
Eher in der **EPUB-Ausgabe** – allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Dort ist es technisch deutlich wahrscheinlicher, dass Formeln als strukturierte Daten vorliegen, typischerweise MathML und gelegentlich zusätzlich TeX/LaTeX als Alternativ- oder Quelldarstellung. In einer gewöhnlichen PDF sind Formeln meist nur als positionierte Glyphen oder Vektoren gespeichert, nicht als rekonstruierbarer LaTeX-Quelltext.[^1_1][^1_2]
## Warum EPUB eher geeignet ist
EPUB 3 basiert im Kern auf Web-Technologien wie XHTML, CSS und XML. Für Mathematik ist MathML vorgesehen. Ein Verlag kann daher pro Formel unter anderem speichern:
- sichtbare Formel als MathML,
- Textalternative für Screenreader,
- ggf. semantische Annotationen,
- manchmal den ursprünglichen LaTeX-Code, etwa in einem `annotation`-Element.
Ein sauber produziertes, zugängliches EPUB kann mathematische Formeln also wesentlich maschinenlesbarer machen. Aktuelle Empfehlungen zur EPUB-Produktion nennen MathML als Quelldatenformat; daraus können Darstellung und zugängliche Textrepräsentationen abgeleitet werden.[^1_3]
Beispielhaft könnte eine Formel intern ungefähr so aussehen:
```xml
```
Der `annotation`-Teil wäre dann tatsächlich ein extrahierbarer LaTeX-/TeX-String. Seine Existenz ist aber nicht garantiert.
## Warum PDF meist schlechter ist
Ein PDF ist primär ein festes Seitenlayout. Selbst wenn es ursprünglich mit LaTeX erzeugt wurde, enthält das End-PDF in der Regel nicht mehr die ursprünglichen Eingaben wie `\frac{a}{b}` oder `\int_0^1`. Stattdessen enthält es Anweisungen wie: zeichne dieses Zeichen mit dieser Schrift an dieser Position.
Das führt zu mehreren Problemen:
- Kopierter Formeltext ist oft unvollständig oder in falscher Reihenfolge.
- Brüche, Indizes, Matrizen und mehrzeilige Gleichungen verlieren ihre Struktur.
- Formeln können als Vektorgrafik, Bild oder Kombination aus Text und Grafik vorliegen.
- Selbst „getaggte“ PDFs enthalten häufig nur begrenzte mathematische Semantik; TeX-Quellcode ist selten eingebettet.
Bei kommerziellen PDF-E-Books werden Formeln häufig nicht einmal als passende Formel-Tags oder strukturierte Inhalte bereitgestellt.[^1_2][^1_4]
## Die praktische Einschränkung
„EPUB ist besser geeignet“ bedeutet nicht automatisch: „Das konkrete EPUB enthält LaTeX.“
Viele Verlage nutzen leider weiterhin:
- Formelbilder, etwa SVG oder PNG,
- gerenderte Formelgrafiken ohne aussagekräftigen Alternativtext,
- MathML ohne eingebettete TeX-Annotation,
- proprietäre Konvertierungspipelines, die Struktur beim Export verlieren.
Der EPUB-Standard unterstützt MathML zwar, doch Reader-Unterstützung ist uneinheitlich. Deshalb empfehlen Branchenleitfäden teils weiterhin, Formeln visuell als Bild einzubinden und parallel aus MathML abgeleitete Textalternativen zu hinterlegen.[^1_3]
## Faustregel
| Was du suchst | Wahrscheinlicheres Format | Begründung |
| :-- | :-- | :-- |
| Originaler LaTeX-Quelltext | Weder PDF noch EPUB zuverlässig | Meist nur beim Autor, Verlag oder in einem Open-Source-Repository erhältlich |
| Maschinenlesbare Formelstruktur | EPUB | EPUB kann MathML und semantische Metadaten enthalten |
| Visuell originalgetreue Satzseite | PDF | PDF konserviert das gedruckte Layout |
| Extraktion für eigene Verarbeitung | EPUB, aber prüfen | XHTML/MathML ist oft besser zugänglich als PDF-Glyphen |
| LaTeX aus gekauften Lehrbüchern | Selten in beiden | Eine eingebettete TeX-Annotation ist eher Ausnahme als Regel |
Wenn dein Ziel die Weiterverarbeitung von Formeln ist, ist die sinnvollste Reihenfolge meist:
1. EPUB entpacken – eine `.epub` ist technisch ein ZIP-Archiv.
2. Nach `.xhtml`, `.html`, `.svg`, `